Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
FachreferateNaturwissenschaft - TheologieLeitgedanke

Leitgedanke: Vom Nebeneinander zur Begegnung von Theologie und Naturwissenschaften



Pluralität

So plural die weltanschauliche Landschaft der heutigen Gesellschaft auch sein mag: eine verbindende Grundlage ist ihre tiefe Prägung durch Naturwissenschaft und Technik.
Vor dem Hintergrund konkurrierender Sinnverheißungen haben Theologie und Kirche die Pflicht – und die Chance –, diese naturwissenschaftliche Prägung aufzugreifen und mit ihrem Verständnis von humanem menschlichen Dasein ins Gespräch zu bringen.

Orientierungslosigkeit und vorschnelle Harmonisierungen

Der grassierenden Orientierungslosigkeit ist mit Dialogverzicht und dem isolierenden Rückzug in die Sicherheit des eigenen, vertrauten Terrains nicht beizukommen. Sehr schnell geraten dann religiöse und theologische Wahrheiten zu Antworten auf Fragen, die niemand mehr stellt. Aber auch die vorschnelle Harmonisierung von Verfügungswissen und Orientierungswissen bietet keine tragfähige Grundlage. Allzu leicht kommt es dabei zu semantischen Vermischungen, und nicht selten zur Unterwerfung eines Dialogpartners: Vergangenheit und Gegenwart kennen zahlreiche theologistische und moralisierende Übergriffe auf die Naturwissenschaften, aber auch den ebenso häufigen naturwissenschaftlichen Expansionismus, der das Sprachspiel des Glaubens zur religiösen Ornamentierung dessen verkommen
lässt, was der naturwissenschaftlich geprägte Zeitgeist ohnehin immer schon weiß.

Zukunftsfähigkeit einer christlichen Orientierung

Der Anspruch, dass angesichts der kulturellen Fragmentierung das christliche Sinnangebot eine hohe Integrationskraft auch jenseits solcher Fehlformen aufweist; der Anspruch, dass es wahrheitsfähig, zukunftsfähig und mehrheitsfähig ist und zu einer humanen Orientierung beitragen kann, ist einzulösen und transparent zu machen.

Streitkultur

Hat man über binnenchristliche Selbstvergewisserung hinaus weitere gesellschaftliche Relevanz im Blick, wird man den christlichen Standpunkt im interdisziplinären Gespräch vertreten und unter Beteiligung aller betroffenen gesellschaftlichen Gruppen diskutieren. Die Akademie bietet hier einen einladenden Rahmen der Gastfreundschaft, in der eine konstruktive Streit- und Dialogkultur gelingen kann. Zu bewähren hat sich eine solche Streitkultur in spezifischen kontextuellen Konkretisierungen.


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